Saul
Georg Friedrich Händel
Sonntag, 12. April 2026, 17.00 Uhr
Laeiszhalle, Hamburg
Jonathan Michie, Bass (Saul)
Tobias Hechler, Altus (David)
Ilker Arcayürek, Tenor (Jonathan)
Magdalene Harer, Sopran (Michal)
Karola Sophia Schmid, Sopran (Merab)
Mirko Ludwig, Tenor (High Priest, Witch of Endor, Amalekite)
Sönke Tams Freier, Bass (Apparition of Samuel, Abner, Doeg)
Elbipolis Barockorchester
Matthias Janz, Dirigent
Macht, Neid und Menschlichkeit
Konnte Georg Friedrich Händel aus dem Barock in unsere Zeit blicken? Sein Oratorium Saul wirkt fast hellsichtig: Geschrieben 1738 in London, erzählt es die uralte Geschichte vom ersten König Israels, dessen Eifersucht auf den jungen Helden David zur Tragödie führt. Doch Saul ist mehr als biblische Historie – es ist ein musikalisches Psychogramm über Macht und Menschlichkeit, über den gefährlichen Sog von Ruhm und den Preis politischer Eitelkeit. Wer heute auf die Spannungen zwischen Autorität und Aufbruch, Altem und Neuem blickt, entdeckt in Händels Musik ein geradezu zeitloses Spiegelbild unserer gesellschaftlichen und politischen Umbrüche.
Mit leuchtenden Chören, eindringlichen Arien und orchestraler Dramatik formt Händel ein packendes Seelendrama, das weit über den religiösen Stoff hinausgeht. Die Charaktere seiner Figuren sind eindrucksvoll dargestellt: die fanatische Raserei des Königs, Davids milde Stärke, Jonathans Freundestreue, Michals stille Liebe. Virtuose Chöre wechseln mit ergreifenden Arien und instrumentalen Überraschungen – darunter die Orgel, die Händel selbst spielte. Aus dieser klanglichen Vielfalt entsteht eine dramatische Wucht, die weit über das Sakrale hinausreicht.
Saul ist ein Werk über Menschen in Extremsituationen – erschütternd aktuell in Zeiten globaler Machtspiele, verletzlicher Demokratien und öffentlicher Inszenierungen. Händels Musik fragt nicht nach Sieger oder Besiegtem, sondern nach der Würde des Menschen im Sturm der Gefühle. Ein Oratorium, das mehr ist als eine Bühnenhandlung: ein musikalischer Spiegel unserer Zeit.

