Zum Jubiläum gibt es Verdi

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Hamburger Abendblatt

vom 23.09.2011

 

von Marcus Stäbler

 

Laeiszhalle. Man schrieb den 30. September 1886, als 154 sangesfreudige Herren den Hamburger Lehrer-Gesangverein gründeten. Es war die Geburtsstunde eines Ensembles, das zum festen Bestandteil des Hamburger Musiklebens werden sollte und mit den Jahren einige Veränderungen erlebte.

Ein gravierender Wandel vollzog sich Mitte der 1930er-Jahre: Unter Leitung von Johannes Roeder stießen auch Frauenstimmen dazu; das Repertoire konzentrierte sich vor allem auf oratorische Werke in großer Besetzung. 1976 legte der Gesangsverein seinen alten Titel ab und nannte sich von nun an Symphonischer Chor Hamburg. Unter diesem Namen begeht das traditionsreiche Ensemble jetzt sein 125-jähriges Bestehen. Ein beeindruckendes Jubiläum für einen Chor, der sich von Anfang an selbst finanziert und organisiert hat.

Aus der Gründungszeit ist natürlich niemand mehr dabei – aber es gibt Sänger mit einer besonders langen Chorhistorie. Wie die 60-jährige Altistin Susanne Abeltshauser. “Meine Eltern haben sich hier im Chor kennengelernt, das war 1946, 1948 haben sie sich dann verlobt. Ich bin also schon seit meiner Geburt mit dem Chor verbunden – und ein Dienstag ohne Singen wäre für mich keine gültige Woche!” Einmal pro Woche proben die rund 100 Sängerinnen und Sänger im Studio E der Laeiszhalle – auf einem mehr als beachtlichen Niveau. Matthias Janz, seit 1985 Künstlerischer Leiter, kann beim Verdi-Requiem gleich am Feinschliff arbeiten, er feilt an den Vokalfarben: “Euer ,e’ bei pleni ist zu norddeutsch. Das müsste italienischer klingen”, fordert der Dirigent, der gern mit einem lockeren Spruch die Atmosphäre belebt.

Den Notentext beherrschen seine Sänger sowieso. Viele haben das Stück bereits mehrfach gesungen; Beethovens Neunte stand in der Geschichte des Chores sogar schon über 50-mal auf dem Programm – auch dank der regelmäßigen Zusammenarbeit mit Orchestern wie den Hamburger Symphonikern. Die Möglichkeit, solche Meisterwerke aufzuführen, lockt auch junge professionelle Sänger wie den 28-jährigen Tenor Stefan Schmitz an: “Das hier ist einer der ganz wenigen Laienchöre, die sich diesem großen Repertoire widmen und ein sehr gutes Niveau haben. Das ist natürlich sehr attraktiv.”

Dank einer gesunden Altersmischung blickt der Chor optimistisch in die Zukunft. Nur die Raumsituation macht der Vorsitzenden Ute Beckmann-Schulz Sorgen: “Auch wir warten sehnlich auf die Eröffnung der Elbphilharmonie. Denn die Termine in der Laeiszhalle sind so eng getaktet, dass wir bei unsren Proben immer wieder ausweichen müssen.”

Am kommenden Sonntag steht nun das Verdi-Requiem auf dem Programm. Für Susanne Abeltshauser ein ganz besonderes Werk. “Verdi ist einfach für die Stimme immer schön. Und wenn im Kyrie der Tenor einsetzt, läuft es mir jedes Mal kalt den Rücken runter.”

 

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