Konzertempfehlung: Alexander’s Feast

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Konzert am 9. Juli 2017 in St. Marien, Flensburg

Der uns sehr verbundene Flensburger Bachchor, ebenfalls unter der künstlerischen Leitung von Matthias Janz, führt das eher unbekannte aber historisch bedeutendere Werk Alexander’s Feast von Georg Friedrich Händel auf. Lesen Sie hier einige Hintergründe zur Werkentstehung.

Als Georg Friedrich Händel im Jahre 1710 nach London kam, lag seine Hauptbeschäftigung im Bereich der italienischen Oper. Seine Werke waren mehrere Jahre sehr populär und die Aufführungen wurden gut besucht. Allerdings litt seine Popularität unter der Tatsache, dass er nicht Engländer war und seine Werke als aristokratisch galten. Die 1728 uraufgeführte Bettleroper (The Beggar’s Opera) von Johann Christoph Pepusch und John Gay, die durchaus als Satire auf Händels italienische „Hohe Oper“ zu verstehen ist, traf sehr viel mehr den Geschmack des englischen Publikums für leichtere und politisch-satirische Werke in englischer Sprache.

Schon seit 1720 hatten sich in England einflussreiche Gruppen von Händel Gegnern um den Komponisten Giovanni Bononcini versammelt, der für die von Händel geleitete Royal Academy of Music schrieb.
Die Opernakademie musste 1728 aufgrund von Unterfinanzierung und hohen Ausgaben für internationale Starsolisten schließen, was Händel allerdings nicht schadete, denn er war weiterhin finanziell an den Aufführungen seiner Werke beteiligt und schon zu dieser Zeit überaus wohlhabend.

Händels Interesse an Oratorien entwickelte sich, nachdem zwei  nicht autorisierte Aufführungen seiner früheren Maskenspiele überraschend Erfolg hatten und er darauf mit Umarbeitungen und Ergänzungen dieser reagierte. Deren Aufführungen waren sehr erfolgreich und verhalfen der 1729 neu gegründeten sogenannten zweiten Opernakademie zu wirtschaftlicher Stabilität. Leider hinderte es das englische Publikum nicht daran, erneut konkurrierende Aktivitäten zu entwickeln, die bis in die königliche Familie hinein die Gesellschaft in Händel-Gegner und Anhänger spalteten.

Händel komponierte weiterhin Opern bis in das Jahr 1741, aber schon einige Jahre zuvor nahm das Oratorium als Antwort auf die Wünsche des Publikums einen breiten Platz und höheren Stellenwert in seinem Schaffen ein. Dem bereits 1736 komponierten Alexander’s Feast or The Power of Music fügte Händel 1739 eine Ode for St. Cecilla’s Day hinzu. Beide Texte verehren die Heilige Cäcilia und wurden in meisterhafter Weise von John Dryden verfasst. Dryden hatte die beiden Oden ausdrücklich für den Einsatz in musikalischen Werken geschrieben, und beide wurden bereits vierzig Jahre zuvor vertont, leider ohne dass diese zeitgenössischen Singspiele der Nachwelt erhalten blieben.

Für Händel war es aufgrund der teilweise wenig wohlwollenden Gesinnung der englischen Gesellschaft, ein großes Risiko, einen Text zu vertonen, der bereits hoch etabliert war. Aber es zahlte sich aus: Alexander’s Feast war sofort ein großer Erfolg. Das Publikum war begeistert, dass Händel die Worte eines so sehr verehrten Dichters in ergreifender Weise in Musik umzusetzen vermochte, und selbst in den Lagern der Gegner legte sich die Abwehr angesichts dieses als wahrhaftig englisch empfundenen Werks. Händel hatte damit den Bann endlich gebrochen; er war nun Engländer geworden.

Bezeichnend dafür ist, dass nur zwei Jahre nach der Uraufführung von Alexander’s Feast, am 19. Februar 1736, eine Händel Statue mit den Noten des Werks in dem Vergnügungspark Vauxhall Gardens errichtet wurde. Heute ist sie im Westminster Abbey zu sehen.

Wie der Titel vermuten läßt, beschreibt das Oratorium die Feier über den Sieg der Truppen Alexanders des Großen über die Perser. Es geht allerdings nur vordergründig um die Darstellung des Kampferfolgs und Alexanders Stärke. Als viel mächtiger wird von Dryden die Macht der Musik beschrieben, die durch den Künstler Timotheus auf die Gefühle Alexander und seine Begleiter ausgeübt wird. Durch verschiedene Gefühlswelten leitend, von Trauer über Mitleid bis zur Rachsucht, bringt am Ende Timotheus Alexander dazu, die Stadt Persepolis niederzubrennen, als Rachetat für die getöteten griechischen Krieger.

Diese von Timotheus angewendete Methode, Musik zur Erreichung niederer persönlicher Ziele zu verwenden, wird in dem Werk als unchristlich dargestellt und der Heiligen Cecilia gegenübergestellt, die Musik immer zu Ehren Gottes und zur Verfeinerung des Geistes der Menschen verstanden hat – niemals als Mittel der Zerstörung.

Text: T. Behle

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