Joseph Haydn – Die Schöpfung

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Der Symphonische Chor Hamburg strahlt in feierlich-geerdeter Manier

Johanna Winkel (Sopran) – Georg Poplutz (Tenor) – Thomas Laske (Bass) – Symphoniker Hamburg

„Es lebe Papa Haydn! Es lebe die Musik!“– mit diesen Worten soll der 76 Jahre alte Joseph Haydn zum Schlussapplaus der Uraufführung der Schöpfung im Jahr 1799 auf die Bühne des Wiener Burgtheaters gerufen worden sein. Die Begeisterung hält an: das dreiteilige Oratorium gilt als Referenzwerk und ist nicht mehr fortzudenken aus dem klassischen Konzertrepertoire.

Inhaltlich dreht sich alles um die Schöpfungsgeschichte, wobei der Sündenfall und der Verlust des Paradieses bewusst ausgelassen werden. Nicht mahnend und moralisierend, sondern als Erfolgsgeschichte wird die Schöpfung thematisiert.

Aus dem Chaos „ward Licht“, „Verwirrung weicht, und Ordnung keimt empor“: Haydns Werk ist ein glänzender Lobgesang auf die ordnung- und sinnstiftenden Wunder der Natur, die Schöpfung des Firmaments, der Tiere und schließlich der ersten Menschen Adam und Eva.

Die Highlights des Abends: einerseits die bildhaften Erläuterungen der Schöpfungsgeschichte, von Haydn wunderbar tonmalerisch instrumentiert, andererseits die berauschenden Lobgesänge des Chores.

In einleuchtender Logik – erst ereignet sich Gottes Schöpfung, dann kann sie besungen werden – antizipiert das Orchester musikalisch, wovon die Engel anschließend berichten: Erst erklingen „brausend heftige Stürme“, „feurige Blitze“, „allerquickender Regen“ und „flockiger Schnee“, dann werden sie genannt.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatte sich spätestens jetzt das Orchester zusammengefunden, konnte dem unaufgeregten Dirigat Janz‘ präziser folgen und mit starkem Ausdruck von diesen Naturwundern berichten. Jetzt stimmte die kollektive Spannung, als die Streicher in wildem Sturm aufgewirbelt tosten, über Paukentrommeln scharf akzentuierte Melodien die Luft zerschnitten und lieblich-sanft der Schnee durch das Orchester rieselte.

Die Solisten griffen den jeweiligen Ausdruck auf und gaben sie in Worten wieder. Im Wettstreit forderte das Orchester Georg Poplutz als Uriel heraus, wer den Glanz der Morgensonne, das kühle Schimmern des Mondes schöner darstellen konnte. Oder Johanna Winkel als Gabriel, wer den Flug des Adlers luftiger, das frohe Lied der Lerche klingender oder der Nachtigall süßer Sang lieblicher trällern konnte. Da kann es keinen Gewinner geben, denn erst im Miteinander scheint sich hier die ganze Pracht zu entfalten.

Besonders beeindruckend geriet auch die Darstellung der Landgeschöpfe: aus den Partituren von Thomas Laske als Raphael und den Instrumentalisten entsprang brüllend ein Löwe, zackig der Hirsch, anmutig galoppierend das Ross und surrend und tremolierend ein Heer von Insekten und kriechend das Gewürm. Beeindruckend, wie das erklang und wie gut Janz hier die Naturszenen herausmodellierte.

Alle drei Solisten bereicherten mit ihrer Vorstellung den Abend: textverständlich und gut aufeinander abgestimmt meisterten sie Rezitative, Arien und Ensemblesätze. Am meisten überzeugte Thomas Laskes Darstellung des Raphaels und des Adams. Während Poplutz‘ klarer Tenor bisweilen ein wenig größer, ja raumeinnehmender hätte sein dürfen, bestach Laske mit seiner warmen Bariton-Stimme, einer beeindruckenden Präsenz im Ausdruck und Sicherheit im Stimmsitz.

Nun aber zum anderen Highlight: dem Chor! Insbesondere während der Finali der einzelnen Teile – setzt er große Ausrufungszeichen. Das Erzählte gliedernd und kommentierend, wird der Chor zum zentralen Sprachrohr göttlichen Lobgesangs. „Mit Staunen“ wird das Wunderwerk betrachtet, zum Lob- und Dankgesang wird angestimmt, gepriesen werden Macht und Ruhm Gottes, ehe das vollendete Werk besungen wird: ergreifend schön und authentisch werden Jubel und Freude herübergebracht. Man merkt, der Chor hat Spaß an der Sache.

Stellenweise luftig-frisch, meistens jedoch in feierlich-geerdeter Manier strahlt der Chorklang in den – an diesem Samstag zur Empörung einiger Damen äußerst unterkühlten – Großen Saal der Laeiszhalle hinein. Fast immer sehr textverständlich und präsent in Einsatz und dynamischer Flexibilität werden hier äußerst gelungen Gegenbilder zur solistischen Berichterstattung kreiert: fast möchte man mitjubeln und frohlocken.

Das macht das Publikum dann zuletzt auch beim Applaus: zwar nicht mit vergleichbarer Musikalität aber kaum minder ausdrucksstark werden Matthias Janz und die große Schar der Beteiligten gefeiert. Ein großes Werk – ein großes Konzert und man darf sich schon heute auf das nächste Konzert des Chores freuen: Georg Friedrich Händels Messiah im Großen Saal der Elbphilharmonie am 9. Dezember 2017!

copyrightRicarda Ott für klassik-begeistert.de

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