Für Sabine ist der Probendienstag des Symphonischen Chors seit inzwischen 50 Jahren fester Bestandteil der Woche. Sie hat zwei Chorleiter miterlebt, unzählige Konzerte mitgesungen, war über viele Jahre aktiv im Vorstand engagiert und freut sich nach wie vor über das gemeinsame Musizieren und die tolle Chorgemeinschaft.
Zum Anlass ihres 50-jährigen Jubiläums erzählt sie von ihren Erinnerungen und Erlebnissen, die sie mit dem Symphonischen Chor verbindet.
Was erinnerst du von deiner ersten Probe im Symphonischen Chor Hamburg?
Ich erinnere mich noch gut an die erste Probe, ich war 18 Jahre alt und ich durfte nun endlich mit meinen Eltern in den Chor – damals hieß der Symphonische Chor noch Hamburger Lehrergesangverein. Ich musste hier beim damaligen Chorleiter Wilhelm Brückner-Rüggeberg vorsingen, „Oh wie weit, oh wie schön“. Nach ein paar Takten hat er gleich abgewunken und gesagt: „Du kannst singen, das geht schon.“ Mir ist aufgefallen, dass in den Proben damals noch wenig korrigiert und abgebrochen wurde. Beeindruckt hat mich auf der anderen Seite die große Gruppe an Männern im Chor, das war schon etwas anderes als im Schulchor, in dem ich davor am Albert-Schweitzer-Gymnasium gesungen hatte.
Was hat dich damals bewogen, gerade in den Symphonischen Chor einzutreten?
Das war sozusagen eine Familientradition, die ich fortgeführt habe, meine Eltern waren beide im Chor und das gehörte zum Familienprogramm.
Zwischendurch habe ich durch Verpflichtungen im Studium zwei Jahre in einem anderen Chor gesungen – das hat mir aber nicht besonders gefallen. Die Stimmen waren sehr ungleich verteilt und das musikalische Niveau war auch nicht so toll. Deshalb war ich froh, als sich meineTermine wieder so verschoben haben, dass ich wie gewohnt zur Dienstagsprobe des Symphonischen Chors gehen konnte.
Sabine gehört zur berühmten Stahl–Dynastie, die für unseren Chor so bedeutungsvoll ist. – Prof. Matthias Janz, Musikalischer Leiter
Was sind die Gründe, dass du auch nach 50 Jahren nach wie vor Spaß am Singen im Symphonischen Chor hast?
Zum einen ist es die Tradition unserer Familie, die ich weiterführe. Zum anderen sind für mich nach wie vor unsere Konzerte etwas ganz Besonderes – diese großen Oratorien, die wir gemeinsam mit professionellen Orchestermusiker*innen und Sänger*innen aufführen, in besonderen Konzertsälen wie der Laeiszhalle oder der Elbphilharmonie. Das ist nicht in vielen Laienchören möglich.
Zusätzlich gibt es diese schöne Gemeinschaft im Chor, die sich in ambitionierten Laienchören oft nicht bildet, wenn durch sog. Projektsänger*innen viel Fluktuation herrscht. Bei uns wird auf Mitgliedschaft im Verein geachtet und so konnte ich durch die Kontinuität über die Jahre so viele tolle Menschen kennenlernen. Ich freue mich jede Woche auch auf den Austausch untereinander und vor allem das gemeinsame Singen.
Sabine ist ein wandelndes Chorlexikon! Sehr gern erinnere ich mich an die langjährige vertrauensvolle, freundschaftliche und überaus konstruktive Zusammenarbeit im Vorstand. – Verena, Alt
Was ist für dich das Besondere daran, mit einem großen Chor gemeinsam Musik zu machen?
Mich berührt der Klang eines so großen Chors – dass sich alle Stimmen miteinander vermischen. Es geht nicht um einzelne exponierte Stimmen, sondern wirklich darum, aufeinander zu hören, um ein großes Klangbild zu erzeugen.
Was schätzt du besonders an der Chorarbeit von Prof. Matthias Janz?
Ich habe ja damals den Wechsel miterlebt von Wilhelm Brückner-Rüggeberg zu Matthias Janz. Mein Vater hatte, als er noch im Vorstand war, damals Matthias „gecastet“ und ihn seiner Nachfolgerin, der 1. Vorsitzenden Erika Schwan, empfohlen. Der Wechsel war schwierig, Brückner-Rüggeberg wollte die Leitung nicht abgeben und sich zu seinen Lebzeiten mit seiner Nachfolge beschäftigen. Nach seinem Tod 1985 kamen dann verschiedene Chorleiter zu den Proben. Mit Matthias probten wir damals einen Satz aus Stabat Mater. Schon in dieser Probe war ich sehr beeindruckt von Matthias’ Präsenz und Expertise. Er hat schon sehr genau hingehört und dann konkrete Anweisungen für Verbesserungen gegeben. Das war sehr konträr zur Probenarbeit mit Brückner-Rüggeberg und hat mir gleich gefallen. Der Vorstand hat sich glücklicherweise für Matthias entschieden. Diese Genauigkeit in seiner Arbeit hat den Chor auch in der Qualität sehr vorangebracht. Zusätzlich gibt er sehr charmantes und humorvolles Feedback, das macht die Probenarbeit mit ihm sehr angenehm und leicht.
Was hat sich in den letzten fünf Jahrzehnten aus deiner Sicht am Chor am stärksten verändert?
Die Konzertqualität hat sich deutlich gesteigert, insbesondere durch Matthias’ Probenarbeit. Ich singe nicht nur gern die Konzerte selbst im Chor mit, ich höre auch im Zuschauersaal dem Chor gern zu. Unabhängig davon hat sich die Altersstruktur insbesondere in den letzten Jahren verändert, wir bekommen viele neue, junge Sängerinnen und Sänger in allen Stimmen dazu, das ist wirklich toll.
Und was hat sich nicht verändert?
Was sich nicht verändert hat, ist die gute Gemeinschaft im Chor. Das ist für mich einzigartig und ist sicherlich auch für viele andere Mitglieder ein zentraler Grund, warum sie in diesem Chor singen.
Sabine ist eine treue, fröhliche und sehr gute Sängerin, die so unendlich viel für den Chor Jahrzehnte lang getan hat. – Mareike, Alt
Gibt es ein Konzert, das dir bis heute besonders in Erinnerung geblieben ist?
Da gibt es viele! Spontan fallen mir dann zwei Konzerte des Verdi Requiems ein: Wir haben damals eine Konzertreise nach Polen gemacht. Die Solist*innen sind über Nacht mit dem Zug im Sitzwagen (!) angereist, um gleich vormittags mit uns die Generalprobe zu machen, das war schon sehr stark. Auch auf der Reise haben wir einige Abenteuer erlebt: An einer Bergstraße haben wir bei ein paar polnischen Frauen selbstgestrickte Handschuhe gekauft, weil wir vollkommen unterschätzt hatten, dass es im Oktober dort bereits eiskalt war. Während der Reise waren wir in verschiedenen Hotels untergebracht, in einem davon hat sich dann noch ein Großteil der Männer aus dem Chor den Magen verdorben, da stand dann zwischendurch ein Konzert auf der Kippe.
Am Ende der Reise, wieder in Hamburg, sollten wir das Verdi Requiem dann noch einmal in der Laeiszhalle aufführen. Hier wurde dann aber die für Hamburg engagierte Sopranistin krank. Matthias hat daraufhin kurzerhand die polnische Sopranistin angerufen, die dann sofort zusagte, nach Hamburg gereist kam und mit uns aufgetreten ist – das kam alles sehr vom Herzen!
Du warst auch viele Jahre im Vorstand, als Vorständin für Öffentlichkeitsarbeit, als Beauftragte für Feste, Ausflüge und Reisen und auch als 2. Vorsitzende. Was hat dich motiviert, dich aktiv für den Chor zu engagieren?
Meine Mutter war damals mit ausschlaggebend. Sie war selbst auch lange Zeit im Vorstand als Stimmführerin im Alt und fand es wichtig, dass sich auch junge Leute im Vorstand einbringen.
Bei meiner ersten Wahl – damals wollte ich Beisitzerin werden – hat es nicht geklappt. Später habe ich dann das Amt für Öffentlichkeitsarbeit übernommen und Anzeigenmöglichkeiten für unsere Konzerte recherchiert. Irgendwie bin ich dann in das Amt für Feste, Probenwochenenden und Reisen reingerutscht. Das war schon auch herausfordernd, allen Wünschen gerecht zu werden, aber ich habe es auch mit vielen netten Menschen zu tun gehabt – da hat das Organisieren mir doch viel Spaß gemacht. Als 2. Vorsitzende war ich vor allem dafür da, im Hintergrund bereitzustehen, wenn Dinge organisiert oder abgeklärt werden mussten.
Inzwischen habe ich kein aktives Amt mehr und genieße jetzt einfach, an den Proben teilzunehmen und gemeinsam mit den anderen zu singen.
Ich wünsche Sabine zu ihrem Jubiläum: Genieße das Singen in der Gemeinschaft und mit Freunden, die Dich lange begleitet haben, einmal ohne die Sorge, ob Du an alles gedacht hast, ob ein Solist krank wird oder der Busfahrer sein Trinkgeld bekommt. – Torsten, Tenor
Gibt es ein bestimmtes Werk, dass du unbedingt (noch) mal singen möchtest?
Es gibt kein Werk, dass ich unbedingt noch einmal aufführen möchte. Ich freue mich aber sehr auf unser Programm im nächsten Frühjahr, „Von Hexen und Flüchen“, weil hier auch einige Stücke dabei sind, die ich noch nicht gesungen habe. Neues finde ich eben immer noch spannend!
Was würdest du einem neuen Chormitglied sagen, das gerade erst anfängt?
Genieße es, Teil dieser Gemeinschaft zu sein und bringe dich aktiv ein. So eine große Gemeinschaft kann zu Beginn auch manchmal herausfordernd zu sein. Es geht auch darum, sich selbst zurückzunehmen, in den sozialen Austausch zu gehen. Das ist ein Entwicklungsprozess, der auch einen Einfluss auf die persönliche Entwicklung hat. Für mich war und ist diese Erfahrung sehr wertvoll und ich freue mich sehr, dass ich durch den Chor immer Musik in meinem Leben habe und auf großer Bühne mit professionellen Musiker*innen und Orchestern an den Konzerten mitwirken darf.
Ich bin in den Symphonischen Chor gekommen, weil Sabine immer so vom Chor geschwärmt hat. Ich kann mir den Symphonischen Chor gar nicht ohne Sabine vorstellen. – Christine, Alt
Wir danken Sabine für fünf Jahrzehnte im Chor sowie ihr langjähriges Engagement in unserem Vorstand. Für die Zukunft wünschen wir dir weiterhin viel Freude beim Singen und freuen uns auf viele weitere gemeinsame Jahre.
Interview: Birgit Busch und Tina Mähl
